Oberösterreich


Oberösterreich
Ober|ös|ter|reich; -s:
österreichisches Bundesland.

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Ober|österreich,
 
Bundesland Österreichs, das im Westen an Deutschland (Bayern), im Norden an die Tschechische Republik grenzt, 11 980 km2, (1999) 1,372 Mio. Einwohner; Hauptstadt ist Linz. Oberösterreich gliedert sich in 15 politische Bezirke, die zusammen 442 Gemeinden (darunter 22 Städte und 131 Marktgemeinden) umfassen, und drei Städte mit eigenem Statut (Linz, Steyr, Wels).
 
 
Nach dem Landes-Verfassungsgesetz 1991 in der Fassung von 1993 übt der aus 56 Abgeordneten bestehende, jeweils für sechs Jahre gewählte Landtag die Landesgesetzgebung aus; er wählt die neunköpfige Landesregierung, an deren Spitze der Landeshauptmann steht.
 
Wappen: Es wurde 1390 von Herzog Rudolf IV. in Anlehnung an das angebliche Wappen der Herren von Machland geschaffen und 1930 für Oberösterreich festgelegt. Das Wappen ist gespalten und zeigt heraldisch rechts in Schwarz einen goldenen Adler, links ist es dreimal silbernrot geteilt. Auf dem Schild liegt der österreichische Erzherzogshut.
 
Landesnatur:
 
Oberösterreich liegt beiderseits der Donau zwischen dem Unterlauf des Inn (im Westen) und der Enns und ihres rechten Nebenflusses Ramingbach (im Osten). Nördlich der Donau hat Oberösterreich im Mühlviertel Anteil am Granit- und Gneishochland des Böhmenen Massivs (im äußersten Norden auch am Böhmerwald; im Grenzberg Plöckenstein 1 378 m über dem Meeresspiegel), das im Sauwald und im Kürnberger Wald (bei Linz) über die Donau hinausgreift, weshalb diese hier Engtalstrecken ausbildete, zu denen auch der Strudengau gehört (nur der nördliche Teil in Oberösterreich). Dazwischen liegen die breiten, fruchtbaren Stromebenen des Eferdinger Beckens und des Machlandes. Südlich der Donau hat Oberösterreich Anteil am flachwelligen Alpenvorland (300-500 m über dem Meeresspiegel), das von den Flüssen Mattig, Traun, Krems, Enns u. a., zum Teil mit breiten Flussterrassen (Ennsfeld, Welser Heide), zerschnitten und vom bewaldeten Schotterbergland des Hausrucks mit dem Kobernaußerwald (bis 801 m über dem Meeresspiegel) überragt wird. Südlich schließt der alpine Teil Oberösterreichs an mit der schmalen Flyschzone, den Kalkvoralpen (Höllengebirge, Sengsengebirge) und den stark verkarsteten Kalkstöcken der Hochalpen (nördliche Teile von Dachstein, mit 2 995 m über dem Meeresspiegel höchste Erhebung in Oberösterreich, und Totem Gebirge); der Südwestteil mit den großen Alpenrandseen Mondsee, Attersee, Traunsee und dem Hallstätter See gehört zum Salzkammergut.
 
 
Klimatisch sind die flachen Gebiete mit Jahresmitteltemperaturen von 8-10 ºC gegenüber den Mittel- und Hochgebirgen begünstigt. Die Niederschläge liegen zwischen 800 und 1 000 mm jährlich (im östlichen Mühlviertel um Freistadt nur 700-800 mm) und nehmen zum Böhmerwald und zum Alpenrand bis auf 1 500 mm, im Hochgebirge bis auf 2 500 mm im Jahr zu.
 
 
Die Bevölkerung hat im Zeitraum 1971-91 um 8,4 % zugenommen (mehr als doppelt so stark wie in Gesamtösterreich), bis 1996 um weitere 3,8 %. Rd. 40 % der Bevölkerung lebt im oberösterreichischen Zentralraum um die Städte Linz, Wels, Steyr; Linz ist nach Wien und Graz die drittgrößte Stadt Österreichs. Die ländlichen Siedlungen sind nur im Donautal sowie an den Unterläufen von Traun und Enns geschlossene Siedlungen; in fast allen anderen Landesteilen dominieren Streusiedlungen, oft mit Vierseithöfen.
 
 
Die katholischen Christen gehören zum Bistum Linz, die evangelischen zur Evangelischen Kirche Augsburg. und Helvetischen Bekenntnisses in Österreich (Superintendentur in Wallern an der Trattnach).
 
 
Im Vergleich der Bundesländer liegt Oberösterreich in der Wirtschaftskraft mit einem Bruttoinlandsprodukt (BIP) je Einwohner von (1992) 237 911 S an 5. Stelle. Oberösterreich trägt zum BIP Österreichs 16,3 % bei und entwickelte sich von einem traditionellen Agrarland zu einem bedeutenden Industriegebiet. Begünstigt wurde diese Entwicklung durch die geographische Nähe zum süddeutschen Raum, dem größten österreichischen Exportmarkt. Im industriellen Sektor (einschließlich Bergbau, Energie- und Bauwirtschaft) arbeiten (1995) 39,5 % der Erwerbstätigen; sein Anteil am BIP liegt mit 45,6 % deutlich höher als der Bundesdurchschnitt mit 33,1 %. Im Dienstleistungssektor arbeiten 52,4 % der Erwerbstätigen (BIP-Anteil: 50,7 %; Österreich: 61,4 %). 8,1 % der Erwerbstätigen sind in der Land- und Forstwirtschaft beschäftigt; dieser Sektor trägt zu 3,6 % zum BIP bei (Österreich: 2,5 %).
 
 
Knapp die Hälfte der Fläche Oberösterreichs wird landwirtschaftlich genutzt (rd. 300 000 ha als Ackerland und rd. 260 000 ha als Wiesen und Weiden), 36 % sind Wald. Die landwirtschaftliche Produktion konzentriert sich auf das Eferdinger Becken und das Alpenvorland. An Feldfrüchten werden hauptsächlich Mais, Weizen, Gerste und Zuckerrüben angebaut; auch Obst- und Gemüseanbau sind bedeutsam. In der Rinderzucht und der Milchwirtschaft sowie bei der Schweinezucht ist Oberösterreich das wichtigste Bundesland.
 
 
und Energiewirtschaft: Im Gebiet um Kremsmünster werden Erdöl und Erdgas gefördert. Der früher wichtige Abbau von Braunkohle im Hausruck und im Innviertel ist stark zurückgegangen. Im Salzkammergut (v. a. in Bad Ischl und Hallstatt) wird Salz gewonnen. Auf Oberösterreich entfallen rd. 60 % der österreichischen Salzgewinnung, rd. 40 % der Erdgas- und rd. 10 % der Erdölförderung. Die Stromversorgung wird durch Wasserkraftwerke entlang der Donau, am Inn und an der Enns sowie durch ein Braunkohlekraftwerk in Riedersbach sichergestellt.
 
 
Schwerpunkte sind die Maschinen- und Stahlbauindustrie (Anteil am industriellen Produktionswert 1995: 16 %), die Eisen- und Metallerzeugung (13 %), gefolgt von der Fahrzeug- und der chemischen Industrie (je 12 %); Gewicht haben weiterhin die Papier- sowie die Nahrungs- und Genussmittelindustrie (je 6,5 %). Oberösterreich hat eine stark ausgeprägte mittelständische Wirtschaftsstruktur (98 % der Betriebe beschäftigen weniger als 100 Mitarbeiter). Zentrum der Industrie ist der Großraum Linz mit bedeutenden Standorten des Maschinen- und Anlagenbaus (VA Tech), der Stahlindustrie (VA Stahl) und der chemischen Industrie (u. a. Agro Linz). Die Austria Metall AG mit der Aluminiumhütte hat ihren Sitz in Ranshofen bei Braunau am Inn. Zentrum des Fahrzeugbaus ist Steyr. Weiterhin wichtig sind Textil-, Zellstoff- und Papierfabriken im Trauntal, Lebensmittelindustrie in Wels, ferner Holzverarbeitung. Bekannt ist auch die Herstellung von Gablonzer Schmuckwaren.
 
 
Der Fremdenverkehr ist v. a. im oberösterreichischen Seengebiet des Salzkammerguts sowie in einigen anderen Gebirgsregionen von wirtschaftlicher Bedeutung (6,1 % der Übernachtungen, 46,4 % Ausländeranteil).
 
Verkehr:
 
Das Verkehrsnetz wird dominiert durch die Ost-West-Verbindungen von Wien nach Salzburg (Westautobahn, Westbahn, Bundesstraßen). Bedeutung als europäische Transitroute erlangte auch die Nordwest-Südost-Verbindung von Passau über Wels und den Pyhrnpass (Tunnel) in die Steiermark (Autobahn, Eisenbahn). Nach Norden ist Linz über Freistadt mit Böhmen (Budweis) verbunden. Linz-Hörsching ist der drittgrößte Flughafen Österreichs. Die Donau als Transitweg hat mit der Fertigstellung des Rhein-Main-Donau-Großschifffahrtsweges an Bedeutung gewonnen. Linz besitzt den größten österreichischen Donauhafen.
 
 
Das Gebiet des heutigen Oberösterreich südlich der Donau gehörte zur römischen Provinz Noricum ripense. Im 6./7. Jahrhundert wurde es von Baiern, im 8. Jahrhundert im Südosten und Osten von Slawen besiedelt, das nach 907 zum Grenzland gegen die Magyaren gewordene spätere Oberösterreich wurde von bayerischen Adelsgeschlechtern in Besitz genommen (u. a. Agilolfinger). Im hohen Mittelalter bestanden hier mehrere Grafschaften und Gaue, als bedeutendster der Traungau, der (seit um 800 beim Fränkischen Reich) 1192 an die Babenberger kam.
 
Als selbstständiges Gebiet mit eigenem Namen ist Oberösterreich (Austria superior, »oberes Österreich«; Traungau) 1264 belegt. Die Grafen von Schauenburg verloren in kriegerischen Auseinandersetzungen (1380-90) die Landeshoheit an die Habsburger (albertinische Linie). Im 15. Jahrhundert wurde das »Land ob der Enns« erstmals Fürstentum genannt, galt aber noch lange als Teil des Erzherzogtums Österreich (»unter der Enns«=Niederösterreich). König Maximilian I. erwarb 1506 (Bayerischer Erbfolgekrieg) die Herrschaft Wildeneck mit dem Land um Mond- und Wolfgangsee von Bayern; 1765 wurde die Westgrenze nördlich der Donau in ihrem heutigen Verlauf festgelegt, 1779 kam das Innviertel an Oberösterreich (inoffizieller Name seit dem 17. Jahrhundert). Auseinandersetzungen zwischen Bauern und Obrigkeit (v. a. 1525, 1597 und 1626 sowie im 17./18. Jahrhundert) erschütterten das Land; dem Aufstand der evangelischen Adligen (1619/20) folgte deren Landesverweisung und die Rekatholisierung. In der habsburgischen Monarchie bildete »Österreich ob der Enns« (Name bis ins 19. Jahrhundert) 1849-1918 ein Kronland (1816-61 einschließlich Salzburgs; ab 1861 als Erzherzogtum anerkannt). Seit 1918 ist es als Oberösterreich (seitdem offizieller Name) Bundesland; gehörte 1938-45 zum Deutschen Reich (Hauptteil des Reichsgaus Oberdonau) sowie 1945-55 zur amerikanisch (Oberösterreich südlich der Donau) beziehungsweise sowjetisch besetzten Zone.
 
 
M. Vancsa: Gesch. Nieder- u. O.s, 2 Bde. (1905-27, Nachdr. Wien 1966);
 O. Hageneder: Die Gesch. des Landes O., in: Österr. Städtebuch, hg. v. A. Hoffmann, Bd. 1 (ebd. 1968);
 S. Haider: Gesch. O.s (1987);
 
O. Gesch., Kultur, Menschen, hg. v. K. Pömer (Linz 41996).

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Ober|ös|ter|reich; -s: österreichisches Bundesland.

Universal-Lexikon. 2012.

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